Auf dieser Wiese ging ich am Anfang sehr oft mit Gismo spazieren. Es ist im Feld und ich konnte ihn immer von der Leine lassen und er rannte dann fröhlich davon. Diese Wiese war einer meiner Lieblingsplätze. Man hat die Kleinstadt im Blick und kann hinunterblicken und hat seine Ruhe.
Abschied von Gismo
03.03.05 - 02.02.17
Freitag, 31. März 2017
8. Gismos Krankheitsverlauf
Im Herbst 2015 begann Gismo zu würgen und zu keuchen, wann immer er aufstand. So als hätte er etwas im Hals, dass ihn störte.
Wir gingen zum Tierarzt, aber das Problem bei Gismo ist, dass man ihm nicht einfach den Mund öffnen und hineinschauen konnte. Bei anderen Hunden geht das, aber das ging mit dem bissigen Hund einfach nicht.
Ich hatte damals schon einen schlimmen Verdacht, aber weil ich dramatisch bin und laut meinem Nicht-Allergischen Bruder eine "Hellikopter-Mutter", ließ ich mich von meiner Tierärztin ausbremsen.
Dort gab es einige Probleme, die ich erst im Nachhinein feststellen konnte. Ein Missverständnis, dass uns allen Stress gespart hätte ist folgendes: Ich bin mir ziemlich sicher, dass ich sie fragte ihn zu sedieren, um ihn in den Hals zu schauen. Aber statt sedieren muss ich wohl unter Narkose legen gesagt haben, denn sie meinte, das würde nur in der Tierklinik gehen und das war mir zu viel Aufwand. Die Tierklinik klang so ernst und schlimm und Gismo kannte dort ja auch niemanden, also vergaß ich diese Möglichkeit schnell wieder.
Das zweite Problem war, dass ich ihr nicht so genau beschreiben konnte, was das für Geräusche waren, die er von sich gab. Er bekam Hustensaft und sein Halsband wurde ihm abgenommen. Jetzt trug er immer ein Geschirr beim Gassi gehen, das ihm nicht so am Hals zog.
Mein kleines Kerlchen spielte nicht mehr so aufgeregt, weil er den Ball nicht richtig nehmen konnte und sich immer verschluckte. Weil ich das Schlimmste befürchtete ließ ich ihn röntgen.
Es war nichts zu sehen.
Das Leben ging für mich und Gismo weiter. Ich saß viel an meinen Büchern, spielte ab und zu mit ihm und wir gingen viel Gassi. Ich kann im Nachhinein nicht sagen, ob es ihm besser ging oder wir uns beide an diesen Zustand gewöhnten. Er war fröhlich und aufgeweckt. Morgens weckte ich ihn, er würgte und verschluckte sich, blieb stehen, schüttelte sich und kam auf mich zugewackelt. Dann legte er seinen Kopf auf mein Knie und ließ sich eine Weile streicheln. Morgens war Gismo immer sehr verschmust.
Vielleicht hätte ich es ernster nehmen. Oft machte ich mir sofort Sorgen, aber ich beließ es dabei, weil ich nicht dramatisch sein wollte. Richtig bellen konnte er auch nicht mehr, es waren immer sehr hohe Töne, die aus seinem Hals kamen und er verschluckte sich dann.
Aber er war fröhlich und egal wie anstrengend es für ihn war: Wann immer ich nach Hause kam, kam er aus seinem Bettchen, schwanzwedelnd auf mich zu und wollte gestreichelt werden. Wir gewöhnten uns an das Würgen. Es wurde einfach ein Teil von ihm.
Wir gingen zum Tierarzt, aber das Problem bei Gismo ist, dass man ihm nicht einfach den Mund öffnen und hineinschauen konnte. Bei anderen Hunden geht das, aber das ging mit dem bissigen Hund einfach nicht.
Ich hatte damals schon einen schlimmen Verdacht, aber weil ich dramatisch bin und laut meinem Nicht-Allergischen Bruder eine "Hellikopter-Mutter", ließ ich mich von meiner Tierärztin ausbremsen.
Dort gab es einige Probleme, die ich erst im Nachhinein feststellen konnte. Ein Missverständnis, dass uns allen Stress gespart hätte ist folgendes: Ich bin mir ziemlich sicher, dass ich sie fragte ihn zu sedieren, um ihn in den Hals zu schauen. Aber statt sedieren muss ich wohl unter Narkose legen gesagt haben, denn sie meinte, das würde nur in der Tierklinik gehen und das war mir zu viel Aufwand. Die Tierklinik klang so ernst und schlimm und Gismo kannte dort ja auch niemanden, also vergaß ich diese Möglichkeit schnell wieder.
Das zweite Problem war, dass ich ihr nicht so genau beschreiben konnte, was das für Geräusche waren, die er von sich gab. Er bekam Hustensaft und sein Halsband wurde ihm abgenommen. Jetzt trug er immer ein Geschirr beim Gassi gehen, das ihm nicht so am Hals zog.
Mein kleines Kerlchen spielte nicht mehr so aufgeregt, weil er den Ball nicht richtig nehmen konnte und sich immer verschluckte. Weil ich das Schlimmste befürchtete ließ ich ihn röntgen.
Es war nichts zu sehen.
Das Leben ging für mich und Gismo weiter. Ich saß viel an meinen Büchern, spielte ab und zu mit ihm und wir gingen viel Gassi. Ich kann im Nachhinein nicht sagen, ob es ihm besser ging oder wir uns beide an diesen Zustand gewöhnten. Er war fröhlich und aufgeweckt. Morgens weckte ich ihn, er würgte und verschluckte sich, blieb stehen, schüttelte sich und kam auf mich zugewackelt. Dann legte er seinen Kopf auf mein Knie und ließ sich eine Weile streicheln. Morgens war Gismo immer sehr verschmust.
Vielleicht hätte ich es ernster nehmen. Oft machte ich mir sofort Sorgen, aber ich beließ es dabei, weil ich nicht dramatisch sein wollte. Richtig bellen konnte er auch nicht mehr, es waren immer sehr hohe Töne, die aus seinem Hals kamen und er verschluckte sich dann.
Aber er war fröhlich und egal wie anstrengend es für ihn war: Wann immer ich nach Hause kam, kam er aus seinem Bettchen, schwanzwedelnd auf mich zu und wollte gestreichelt werden. Wir gewöhnten uns an das Würgen. Es wurde einfach ein Teil von ihm.
Dieses Bild enstand am See 2015, bevor er anfing zu würgen.
Dieses Bild war von 2016. Das war Gismos letzter Sommer. Wir waren am See und er trug sein Geschirr. Meine Mutter schenkte es mir 2015 zu Weihnachten. Sie hatte es gut ausgesucht, es passte ihm und es hatte die selbe Farbe wie seine Augen.
Samstag, 11. März 2017
7. Gismos Tierarzt-Abenteuer
Als ich das erste Mal mit Gismo beim Tierarzt war, war es sehr sehr unangenehm. Ich glaube die Freundin meiner englischen Schwester und ich gingen dorthin, weil er nicht mehr richtig kacken konnte. Ich glaube wir dachten er hätte Verstopfung. Wenn man Angst vor seinem eigenen Hund hat, ist das ganze eben etwas schwieriger.
Sein Problem war, dass sein Fell am Hintern so verklebt war von Kacke, dass er nicht mehr richtig sein Geschäft erledigen konnte. Als wäre das nicht schlimm genug, saß er da, hat geknurrt, geschnappt und gebellt. Ich weiß noch, dass ich sagte: "Ach, Kerli." Und meine sehr gestresste Tierärtzin furh mich an: "Nichts, Kerli!" :D
Es tat und tut mir immer noch sehr leid, ich wusste nicht, dass Hunde solche Probleme haben konnten und damals war es eine Unmöglichkeit, Gismo richtig anzufassen. Als wir ihn regelmäßig zum Hundefriseur brachten, war es nicht mehr so ein Problem und schließlich begannen wir ihn mit Maulkorb zu behandeln, das war unangenehm für alle beteiligten aber es ging. Wir benutzen Lappen um ihn sauber zu machen, schnitten Fell mit einer Schere weg und im Sommer setzten wir ihn in eine kleine Wanne in den Garten.
Ich ging wieder mit ihm zum Tierarzt, als Gismo nicht mehr richtig lief. Er war sehr langsam, wuselte nicht fröhlich durch die Gegend. Er schleppte sich richtig. Weil ich mir Sorgen machte, machte ich bei der Tierärztin ziemlichen Druck, dass er ganz schnell behandelt werden musste, dass es ihm ganz schlecht ging und er was am Rücken hatte.
Beim Tierarzt wäre ich am Liebsten vor Scham in Grund und Boden versunken: Mein ach-so-verletzter kleiner Hund, hüpfte ausgelassen durch die Gegend, machte Männchen, sprang an meinem Stuhl hoch und verhielt sich wie die Gesundheit in Person. Als wir ihn aufhoben schrie er auf, weil er offensichtlich Schmerzen hatte. Er bekam ein Mittel und es ging ihm besser.
Das nächste Mal, müsste 2014 gewesen sein. Der Hund leckte sich ständig die Pfote und hatte es tatsächlich geschafft, sie sich wund zu lecken. Das werde ich nie vergessen, denn ganz ehrlich, es hatte wirklich etwas Sitcom-haftes:
Er bekam eine Halskrause und musste jeden Tag so eine Salbe drauf geschmiert bekommen. Meine Mutter und ich haben da total versagt. Wir bekamen es einfach nicht hin, weil Gismo knurrte und wir hatten beide Angst vor ihm. Also ging ich jeden Tag zum Tierarzt und das lief so ab:
Krause ab. Malkorb an. In die Ohren ein Mittel, weil sie von der Krause zu warm wurden und es eine Entzündungsgesah gab. Salbe auf die Pfote. Maulkorb hinten aufmachen. Halskrause an. In die Krause greifen und ihm den Maulkorb vorne wieder abziehen.
Wir standen zu viert um dieses kleines Kerlechen herum und mussten diesen Akt jeden Tag aufs Neue einüben.
Aber das war gut, denn es ging ihm immer besser. Er begann gerne zum Tierarzt zu gehen und gewöhnte sich an die Praxis und die Leute, die dort arbeiteten. Mit den Helferinnen spielte er immer und ließ sich auch gerne von ihnen streicheln. Eine nannte ihn sogar immer "mein Schatz". Diese Woche half ihm ruhiger zu werden.
Sein Problem war, dass sein Fell am Hintern so verklebt war von Kacke, dass er nicht mehr richtig sein Geschäft erledigen konnte. Als wäre das nicht schlimm genug, saß er da, hat geknurrt, geschnappt und gebellt. Ich weiß noch, dass ich sagte: "Ach, Kerli." Und meine sehr gestresste Tierärtzin furh mich an: "Nichts, Kerli!" :D
Es tat und tut mir immer noch sehr leid, ich wusste nicht, dass Hunde solche Probleme haben konnten und damals war es eine Unmöglichkeit, Gismo richtig anzufassen. Als wir ihn regelmäßig zum Hundefriseur brachten, war es nicht mehr so ein Problem und schließlich begannen wir ihn mit Maulkorb zu behandeln, das war unangenehm für alle beteiligten aber es ging. Wir benutzen Lappen um ihn sauber zu machen, schnitten Fell mit einer Schere weg und im Sommer setzten wir ihn in eine kleine Wanne in den Garten.
Ich ging wieder mit ihm zum Tierarzt, als Gismo nicht mehr richtig lief. Er war sehr langsam, wuselte nicht fröhlich durch die Gegend. Er schleppte sich richtig. Weil ich mir Sorgen machte, machte ich bei der Tierärztin ziemlichen Druck, dass er ganz schnell behandelt werden musste, dass es ihm ganz schlecht ging und er was am Rücken hatte.
Beim Tierarzt wäre ich am Liebsten vor Scham in Grund und Boden versunken: Mein ach-so-verletzter kleiner Hund, hüpfte ausgelassen durch die Gegend, machte Männchen, sprang an meinem Stuhl hoch und verhielt sich wie die Gesundheit in Person. Als wir ihn aufhoben schrie er auf, weil er offensichtlich Schmerzen hatte. Er bekam ein Mittel und es ging ihm besser.
Das nächste Mal, müsste 2014 gewesen sein. Der Hund leckte sich ständig die Pfote und hatte es tatsächlich geschafft, sie sich wund zu lecken. Das werde ich nie vergessen, denn ganz ehrlich, es hatte wirklich etwas Sitcom-haftes:
Er bekam eine Halskrause und musste jeden Tag so eine Salbe drauf geschmiert bekommen. Meine Mutter und ich haben da total versagt. Wir bekamen es einfach nicht hin, weil Gismo knurrte und wir hatten beide Angst vor ihm. Also ging ich jeden Tag zum Tierarzt und das lief so ab:
Krause ab. Malkorb an. In die Ohren ein Mittel, weil sie von der Krause zu warm wurden und es eine Entzündungsgesah gab. Salbe auf die Pfote. Maulkorb hinten aufmachen. Halskrause an. In die Krause greifen und ihm den Maulkorb vorne wieder abziehen.
Wir standen zu viert um dieses kleines Kerlechen herum und mussten diesen Akt jeden Tag aufs Neue einüben.
Aber das war gut, denn es ging ihm immer besser. Er begann gerne zum Tierarzt zu gehen und gewöhnte sich an die Praxis und die Leute, die dort arbeiteten. Mit den Helferinnen spielte er immer und ließ sich auch gerne von ihnen streicheln. Eine nannte ihn sogar immer "mein Schatz". Diese Woche half ihm ruhiger zu werden.
Donnerstag, 16. Februar 2017
6. Du gehörst hier her
Im Jahr 2015 zog ich von Zuhause aus in die Stadt, in der ich auch studiere. Ich hatte mich monatelang darauf gefreut und mir viele Wohnungen angesehen und viele potentielle WG-Mitglieder kennengelernt.
Eine gute Freundin und ich hätten auch ganz knapp fast eine Wohnung zusammen bekommen, was für mich "der Traum" war, denn die Lage war sehr nah an der Fußgängerzone und das ganze war scheinbar perfekt.
Als das nicht funktionierte kam ich durch meinen Nicht-Allergischen-Bruder an eine christliche WG mit noch drei Mädels. Das Zimmer war 10qm 'groß' aber sehr schön. Ich bin selbst ziemlich klein und hatte auch viele kleine Möbel, die gut ins Zimmer passten - farblich und von der Größe her. Zwei der Mädels und ich verstanden uns super, die dritte war in einem Praktikum in einer fremden Stadt und wir telefonierten bestimmt zwei Stunden, eigentlich nur zum Kennenlernen, aber wir verstanden uns sehr gut.
Der Tag des Auszugs kam nur drei Tage nach der Hochzeit meines Allergischen-Bruders. Es war Spätsommer, noch sehr warm und den letzten Tag verbrachte ich mit meinen Geschwistern an einem See hier in der Nähe. Es war sehr schön und ich dachte noch, dass es ein schöner letzter Tag ist.
Der Tag es Auszugs an sich hatte etwas unwirkliches und es ging sehr schnell, da ich eigentlich nur mit einem Schrank umziehen musste, den Rest der Möbel konnte ich übernehmen.
Für Gismo war das ganze sehr schwierig und es tat mir sehr weh ihn zurückzulassen. Meine Mutter versicherte mir, sie würde sich gut um ihn kümmern und es würde sich daran gewöhnen. Außerdem käme ich ja sowieso am Wochenende nach Hause.
Eine gute Freundin und ich hätten auch ganz knapp fast eine Wohnung zusammen bekommen, was für mich "der Traum" war, denn die Lage war sehr nah an der Fußgängerzone und das ganze war scheinbar perfekt.
Als das nicht funktionierte kam ich durch meinen Nicht-Allergischen-Bruder an eine christliche WG mit noch drei Mädels. Das Zimmer war 10qm 'groß' aber sehr schön. Ich bin selbst ziemlich klein und hatte auch viele kleine Möbel, die gut ins Zimmer passten - farblich und von der Größe her. Zwei der Mädels und ich verstanden uns super, die dritte war in einem Praktikum in einer fremden Stadt und wir telefonierten bestimmt zwei Stunden, eigentlich nur zum Kennenlernen, aber wir verstanden uns sehr gut.
Der Tag des Auszugs kam nur drei Tage nach der Hochzeit meines Allergischen-Bruders. Es war Spätsommer, noch sehr warm und den letzten Tag verbrachte ich mit meinen Geschwistern an einem See hier in der Nähe. Es war sehr schön und ich dachte noch, dass es ein schöner letzter Tag ist.
Der Tag es Auszugs an sich hatte etwas unwirkliches und es ging sehr schnell, da ich eigentlich nur mit einem Schrank umziehen musste, den Rest der Möbel konnte ich übernehmen.
Für Gismo war das ganze sehr schwierig und es tat mir sehr weh ihn zurückzulassen. Meine Mutter versicherte mir, sie würde sich gut um ihn kümmern und es würde sich daran gewöhnen. Außerdem käme ich ja sowieso am Wochenende nach Hause.
Das Bild schickte mir meine Mutter per mail an meinem ersten Abend, als ich nicht Zuhause war. Ich finde er sieht sehr traurig aus.
Der Auszug war für mich nicht nur wegen Gismo sehr schwierig, sondern auch weil ich kein Handy hatte, weil mir dieses vor der Hochzeit meines Bruders mitsamt Handtasche geklaut wurde. Ich war also wirklich komplett alleine.
Als ich am Wochenende wieder Zuhause war, räumte ich mein Zimmer auf und auch um, weil ich ja keinen Kleiderschrank mehr hatte. Dann setzte ich mich an meinen Schreibtisch und begann Teil2 meines Romans weiterzuschreiben.
Wer ein Buch schreibt oder geschrieben hat, weiß, dass es manche Stellen gibt, auf die man sich total freut und andere, die man irgendwie "wegschreiben" muss, um überhaupt dorthin zu kommen. Ich war am "wegschreiben", freute mich aber schon riesig auf eine thematisch neue Szene. Während ich am Schreibtisch saß, entschied ich, dass ich nun am Wochenende immer schreiben würde. Und dann kam der Gedanke, der alles veränderte:
Was ist, wenn es immer so sein könnte?
Was war, wenn ich nicht zurück zur Uni ging und dieses Semester damit verbrachte meinen ersten Roman wirklich verlagsfertig zu machen und ihn am Ende abschickte? Warum machte ich überhaupt den Master? Wieso wurde alles dem Schreiben vorgezogen? Konnte ich nicht einmal das Schreiben zur Priorität machen?
Ich rief meine Schwester an und stand zu 100 Prozent hinter mir. Sie sagte mir aber deutlich, dass ich diese Entscheidung bald fällen musste. Ich sagte ihr, ich hatte mich schon entschieden.
Es war ein ziemliches Chaos, alles wieder umzuschmeißen, aus der WG auszuziehen, in der ich tatsächlich nur eine Nacht geschlafen hatte, mich mit der Uni auseinanderzusetzen...aber es war die beste und schlimmste Entscheidung, die ich je getroffen habe.
An diesem Tag wollte ich meine Figuren wirklich in den Arm nehmen und festhalten, ich hatte das Gefühl sie sind real und bei mir. Dieser September 2015 war eine der schönsten Zeiten in meinem Leben. Die Selbstzweifel und die Motivationslosigkeit, die beim Schreiben ganz normal ist, war noch nicht da. Ich verbrachte viel Zeit mit Gismo, dem es zu diesem Zeitpunkt noch recht gut ging und fühlte mich so, als würde ich wissen, wo es lang geht.
Als ich mit meiner Nachbarin im Garten saß und es ihr erklärte, sagte sie: "Das ist schon richtig, Lisa. Du gehörst hier her."
Im Oktober verlor ich meinen Job, weil ich nicht mehr gebraucht wurde. Das war nicht mehr so dramatisch, da ich ja wieder Zuhause wohnte, aber ich weiß nicht, was ich gemacht hätte, wenn ich in der WG geblieben wäre.
Den Roman schickte ich am 15.03.2016 ab. Er wurde nicht veröffentlicht, aber das ist in Ordnung. Wer noch keine Absage bekommen hat, kann das nicht verstehen, aber es nimmt einem jegliche Naivität und das ist auch gut so.
Im Oktober kam Lotte dazu. Meine Mutter zeigte mir den Ausdruck von Facebook und wollte wissen, was ich davon hielt. Als sie anfing mit "Wenn du ausziehst und ich dann zwei Hunde hier habe..." und da teilte ich ihr meine Entscheidung mit, dass ich Gismo auf jeden Fall mitnehmen würde, wenn ich auszog. Eine Trennung kam für mich nicht mehr in Frage. Ab diesem Moment war er tatsächlich mein Hund.
Freitag, 10. Februar 2017
Spitznamen...
Ich bin der festen Überzeugung, wer seinen Hunden keine Spitznamen gibt, hat da was falsch verstanden. Gismo ist ein 0815 Name für Shitzus und es haben sich schnell folgende Namen für ihn herausgestellt:
- Baby. Er war mein Baby, er ist mein Baby, er wird immer mein Baby bleiben und "mein Baby gehört zu mir!"
- Schatz. Das war einfach kurz und geläufig und praktisch. Und er war einfach ein Schatz.
- Kerli. Dieser Name ging nie ohne eine Erklärung. Gismo wurde von mir Kerlchen oder eben Kerli gerufen. Die Idee kam von Findet Nemo: Dory, ich bin ein kleines Kerlchen...das ist ein großes Kerlchen. Und wenn Gismo irgendwas war, dann ein kleines Kerlchen.
- Streuner. Weil er manchmal so unordentlich aussah.
- Stolchi. Aus dem selben Grund wie Streuner.
- Bubi. Meine Mutter nannte ihn oft so. Das war ihr Name für ihn.
- Stinki. Manchmal hat er gestunken, so wie Tiere das einfach tun.
Was immer ging waren Worte, die klein-sein ausdrückten:
- Keks.
- Krümel.
- Würmchen.
- Wurmi
- Kleiner Mann
- Baby Boy
Gismos Freunde #5 - Lotte
Lotte kam im Oktober 2015 zu uns. Sie ist wie ich Diabetikerin und meine Mutter sah sie in einem Hund-braucht-Hilfe-Post auf Facebook. Sie sagte der Hund ließ sie nicht mehr los. Ich war von Anfang an dagegen, aber als ich sagte, dass ich Gismo bei meinem Auszug mitnehmen würde, war es für sie entschieden.
Gismo konnte Lotte nicht ausstehen. Aber ich weiß nicht, ob das nicht vielleicht auch an seinem Alter und seinem Kranksein lag. Er knurrte sie oft an und wir ließen die beiden nie lange zusammen alleine, weil wir uns nicht sicher waren, ob sie sich nicht vielleicht fetzen würden.
Aber da Gismo einfach der dominierende Hund im Haus war, hat Lotte sich eigentlich nie gewehrt. Die beiden wurden nie wirklich richtig Freunde, aber ich glaube auf seine Gismo'sche Weise hatte er Lotte sehr gerne. Wenn sie früher dazu gekommen wäre, als es ihm noch gut ging wäre es vielleicht anders geworden. Gismos Krankheit setzte zur selben Zeit ein, als wir Lotte zu uns holten.
Lotte ist ein aufgeweckter und lauter Hund und zwei Jahre jünger als Gismo. Ich glaube diese zwei Jahre machten einen Unterschied, weil Gismo eben nicht mehr so aufgeweckt war. Es sei denn wir spielten alleine in meinem Zimmer, aber mit anderen Hunden zu toben (außer seinem Schäferhund-Freund!) war für ihn nicht mehr unterhaltsam.
Einmal saßen wir beim Essen und die beiden Hunden beschnupperten sich schwanzwedelnd unterm Tisch. Aber Gismo ging danach zu seinem alten Pessimismus zurück.
An Silvester waren die beiden jedoch durch ihre gemeinsame Angst zusammengeschweift und dort lief Lotte (die wegen ihres Diabetes auch schlecht sieht) mal wieder gegen ihn, aber anstatt sie anzuknurren freute er sich sie zu sehen. Dort haben sie sich aneinander festgehalten.
Ein bisschen Nähe war zwischen den beiden auch möglich. Sie zusammen zu sehen war immer sehr schön, weil Gismo wie eine kleine Version von Lotte aussah mit den Farben und Flecken, die sich so ähnlich sind bei den beiden.
Gismos Freunde #4 - Milo
Milo ist der Hund meiner Nachbarin und ihren Kindern. Er ist ein treudoofer, liebenswürdiger Kerl und 9 Jahre jünger als Gismo. Als wir im Februar 2014 hier einzogen, konnte Gismo Milo nicht ausstehen. Weil Milo dem Wort "treudoof" aber zu 200% gerecht wird, gab er nie auf.
Gismo hat ihn immer angeknurrt und auch nach ihm geschnappt, wenn der junge schwanzwedelnd Hund auf ihn zu kam und mit ihm spielen wollte...ich weiß den genauen Augenblick leider nicht mehr, aber irgendwann "war der Knoten geplatzt", wie meine Mutter immer sagt und Gismo spielte mit ihm.
Wenn ich sage spielen, meine ich dominieren.
Es war so schön, weil der kleine Gismo sich auf den großen Milo stürzte und an ihm herum juckelte. Milo schien das nicht im geringsten zu stören oder auch nur zu bemerken. Während Gismo in seine Jugendzeit zurück fiel, spielerisch knurrte, auf dem größeren Hund herum tobte, an seinem Ohr knabberte und ihn ableckte, biss Milo gedankenverloren an einem Spielzeug herum.
Das waren schöne Sommertage im Garten, in denen wir uns mit unserer Nachbarin anfreundeten, Bücher lasen, einander besser kennen lernten und die Hunde ihren Spaß hatten.
Nun im Nachhinein scheint jeder Gismo-Moment mein Lieblingsmoment gewesen zu sein, aber diese Augenblicke im Garten waren besonders schön. Es ging ihm einfach so gut und wenn es Gismo gut ging, ging es mir gut.
Milo war ihm ein treuer und fröhlicher Freund. Leider hatte Gismo in seinem letzten halben Jahr keine Lust mehr auf den Beagle-Mischling und hat ihn wieder angeknurrt wie früher. Vielleicht weil er krank war, vielleicht auch weil er alt war. Aber Milo (den ich sehr liebevoll das "Opfer" des Hauses nenne, weil wirklich jeder Mitbewohner dieses Hauses auf diesem Hund herum trampelt, selbst unsere Miezi jagt ihn manchmal davon) hat seinen kleinen Freund nie aufgegeben, ihn immer wieder aufs Neue begrüßt und versucht die alte Freundschaft zurückzuholen. Hätte Gismo es bis zum Frühling oder Sommer geschafft, wäre es ihm sicherlich auch gelungen.
Meine Nachbarin war mir in dem ganzen eine sehr große Stütze und sie hat mir erlaubt Milo als Pflegehund zu behandeln und ab und zu mit ihm rauszugehen. Bisher fehlte mir dazu die Kraft und die Vorstellung mit Milo Gismos alte Wege zu gehen, bricht mir das Herz, aber ich habe die Hoffnung eines Tages dazu in der Lage zu sein.
Gismo ist mit wilden Blick Feuer und Flamme für das Spiel, Milo kaut wie gelangweilt an einem Spielzeug.
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