Wir gingen zum Tierarzt, aber das Problem bei Gismo ist, dass man ihm nicht einfach den Mund öffnen und hineinschauen konnte. Bei anderen Hunden geht das, aber das ging mit dem bissigen Hund einfach nicht.
Ich hatte damals schon einen schlimmen Verdacht, aber weil ich dramatisch bin und laut meinem Nicht-Allergischen Bruder eine "Hellikopter-Mutter", ließ ich mich von meiner Tierärztin ausbremsen.
Dort gab es einige Probleme, die ich erst im Nachhinein feststellen konnte. Ein Missverständnis, dass uns allen Stress gespart hätte ist folgendes: Ich bin mir ziemlich sicher, dass ich sie fragte ihn zu sedieren, um ihn in den Hals zu schauen. Aber statt sedieren muss ich wohl unter Narkose legen gesagt haben, denn sie meinte, das würde nur in der Tierklinik gehen und das war mir zu viel Aufwand. Die Tierklinik klang so ernst und schlimm und Gismo kannte dort ja auch niemanden, also vergaß ich diese Möglichkeit schnell wieder.
Das zweite Problem war, dass ich ihr nicht so genau beschreiben konnte, was das für Geräusche waren, die er von sich gab. Er bekam Hustensaft und sein Halsband wurde ihm abgenommen. Jetzt trug er immer ein Geschirr beim Gassi gehen, das ihm nicht so am Hals zog.
Mein kleines Kerlchen spielte nicht mehr so aufgeregt, weil er den Ball nicht richtig nehmen konnte und sich immer verschluckte. Weil ich das Schlimmste befürchtete ließ ich ihn röntgen.
Es war nichts zu sehen.
Das Leben ging für mich und Gismo weiter. Ich saß viel an meinen Büchern, spielte ab und zu mit ihm und wir gingen viel Gassi. Ich kann im Nachhinein nicht sagen, ob es ihm besser ging oder wir uns beide an diesen Zustand gewöhnten. Er war fröhlich und aufgeweckt. Morgens weckte ich ihn, er würgte und verschluckte sich, blieb stehen, schüttelte sich und kam auf mich zugewackelt. Dann legte er seinen Kopf auf mein Knie und ließ sich eine Weile streicheln. Morgens war Gismo immer sehr verschmust.
Vielleicht hätte ich es ernster nehmen. Oft machte ich mir sofort Sorgen, aber ich beließ es dabei, weil ich nicht dramatisch sein wollte. Richtig bellen konnte er auch nicht mehr, es waren immer sehr hohe Töne, die aus seinem Hals kamen und er verschluckte sich dann.
Aber er war fröhlich und egal wie anstrengend es für ihn war: Wann immer ich nach Hause kam, kam er aus seinem Bettchen, schwanzwedelnd auf mich zu und wollte gestreichelt werden. Wir gewöhnten uns an das Würgen. Es wurde einfach ein Teil von ihm.
Dieses Bild enstand am See 2015, bevor er anfing zu würgen.
Dieses Bild war von 2016. Das war Gismos letzter Sommer. Wir waren am See und er trug sein Geschirr. Meine Mutter schenkte es mir 2015 zu Weihnachten. Sie hatte es gut ausgesucht, es passte ihm und es hatte die selbe Farbe wie seine Augen.


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