Sonntag, 5. Februar 2017

4. Life Goes On

Das Leben ging weiter. Das ergab für mich keinen Sinn. Ich weiß noch, wie wütend es mich machte, dass im Radio weiter fröhlich gesprochen wurde. Mehr als alles andere, wollte ich, dass die Welt einfach mal stehen blieb und ihr bewusst wurde, dass sie mit York so einen großartigen Schatz verloren hatte.
Das ist nämlich das Problem mit Trauer, deine eigene persönliche Welt bleibt stehen, aber der Rest der Welt geht weiter.
Ich weiß nicht mehr genau, wie es mit mir und Gismo weiterging, aber ich weiß, dass er verspielt war. Wenn man York einen Ball zuwarf, hob er aller höchstens Mal den Kopf. Aber Gismo war leidenschaftlich verspielt. Er fand es großartig einen Ball oder ein anderes Spielzeug zu haben und damit schwanzwedelnd vor uns herumzulaufen. Der ganze Sinn des Spiels war, dass er ein Spielzeug hatte und wir nicht. Das fand er großartig.
Er begann auch oben in meinem Zimmer zu schlafen und sich überhaupt im Haus wohlzufühlen, da er nun das einzige männliche Tier im Haus war.


Meine Mama, mein Nicht-Allergischer Bruder und ich räumen oft und gerne Zimmer und Wohnungen um. Es war im Haus nichts ungewöhnliches in ein Zimmer des Chaos zu treten in dem Möbel kreuz und quer standen, Bilder von der Wand genommen worden waren, Schränke ausgeräumt wurden...dann kam der Satz: "Ich räume um" und es wurden keine Fragen mehr gestellt. Wenn man so oft umräumt, vergisst man manchmal welche Plätze Tiere hatten, aber dieses Bild frischte alte Erinnerungen wieder auf:


Ich kann nicht mehr genau sagen, wann ich damit anfing, aber ich begann mit Gismo zu "üben". Ab und zu, wenn ich mit ihm spielte, tätschelte ich seinen Kopf. Nur ein bisschen und nur ganz kurz. Manchmal riskierte ich auch ein Knurren, aber ich zog die Hand immer rechtzeitig zurück. Man denkt es nicht auf dem ersten Blick, aber der Biss von so einem kleinem Hund kann echt weh tun. Irgendwann (aber das war erst nach drei Jahren mit ihm) nahm ich kaputte Socken, zog sie mir auf die Hand und ärgerte ihn damit in dem ich an seinem Mund herum schnappte. Das fand er großartig und ich musste oft rufen: "Au! Hand!" und ihm zeigen, dass meine Hand unter der Socke versteckt war, er knabberte dann ganz spielerisch, aber nicht so das es weh tat.
Das haben meine anderen Familienmitglieder leider nicht mehr so ganz mitbekommen, weil sie teilweise schon ausgezogen waren. Es war wirklich schwer ihnen zu vermitteln, dass Gismo wirklich ein braver Junge war. Vertrauenswürdig war er keineswegs, aber ich hatte ihm beigebracht mir zu vertrauen. Ich konnte ihn sogar jetzt küssen. Nicht auf die Schnauze oder so, aber auf den Kopf. Ich sagte dann bestimmt: "Kuss!" und drückte ihn einen Kuss auf den Kopf. Er schüttelte sich dann immer und ich lachte. Gismo brachte mich oft zum Lachen und auch wenn Hunde nicht lachen können, möchte ich doch glauben, dass ich ihn ab und zu auch zum "Lachen" bringen konnte.


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