Als die beiden heirateten war mein ältester Bruder schon ausgezogen und ich noch nicht bereit auszuziehen. Das Haus konnte meine Mutter alleine nicht stemmen und es war irgendwie auch lächerlich alleine mit so vielen leeren Zimmern zu sein.
Wir überlegten aus unserer Kleinstadt auszuziehen in eine Stadt, in der ich zur Gemeinde ging (und auch noch gehe). Dort arbeite ich in der Jugendarbeit und Kinderarbeit mit. Das ist mein zweites Zuhause, ich habe dort Jesus kennen gelernt, dort haben mittlerweile beide meiner Brüder geheiratet und da sind meine Freunde und Glaubensgeschwister.
Dorthin zu ziehen ergab also Sinn. Mit einer Zugverbindung hätte ich auch gut zur Uni kommen können. Und ich müsste nicht immer 30 Minuten mit dem Auto fahren. Zu diesem Zeitpunkt hatte ich übrigens gar kein Auto und bin immer mit dem Bus und Zug gependelt.
Eines Abends im Oktober 2013 gingen Gismo und ich durch diese Kleinstadt spazieren. Wir gingen weiter als sonst und kamen in eine kleine Gasse mit einem neuen Restaurant was ein wunderschönes, warmes Licht ausstrahlte.
Wir bogen um die Ecke und ich fand mich plötzlich vor einem Brautkleid-Laden wieder. Es war so harmonisch, es war ein relativ warmer Abend, Gismo war bei mir und dieses schöne Licht durchflutete die Straße. Und dann war es mir klar: Ich liebe diese Kleinstadt. Ich sagte es zu Gismo und für mich war es entschieden: Wir sollten hier bleiben.
Zwei Tage später hatten wir eine Wohnung, wie für uns gemacht:
- Mein Zimmer liegt außerhalb, so habe ich etwas Abstand
- Der Garten ist nicht so grünflächig wie in dem Haus, aber groß genug für einen kleinen Hund.
- Die Küche ist groß
- Meine Mutter konnte ihren Feuerofen anschließen
- Tiere sind erlaubt
- Es waren die selben netten Vermieter, wie vom Haus
Gott hatte uns diese Wohnung geschenkt und sie war für uns alle besser als das Haus. Ein halbes Jahr später wurde auch mein Gebet für ein Auto erhört, für 500€ bekam ich einen einwandfreien Opel Corsa, das zuverlässigste Auto, das meine Familie je gesehen hat.
Leider war der Umzug für mich am Anfang nicht so positiv. Mir fehlte mein Haus und mein Nicht-Allergischer Bruder. Er ist zwei Jahre älter als ich und wir sind gut miteinander befreundet. Wir haben den selben Humor, haben zur gleichen Zeit zu Jesus gefunden und als angehender Pastor (jetzt ist er fertig) war er für mich immer eine große Stütze. Wir hatten im Haus viel Spaß und ich weiß noch, dass mein ältester Bruder (mit den Allergien) die Angewohnheit hatte in die Zimmer von uns "Kleinen" zu kommen, einen vollkommen willkürlichen Satz sagte und dann wieder in sein Zimmer und zurück an seine Arbeit ging.
Wir "Kleinen" haben das auch gemacht, aber (vor allen Dingen ich) sagten mehr als einen Satz und blieben lange beim anderen, ohne zurück zur Arbeit zu gehen. Die Zimmertür meines Bruders war immer offen und mehr als oft zeigte er mir Videos und wir beide lenkten uns von unseren Arbeiten ab. Aber das war ich nun mal so gewohnt und ohne meinen Bruder zu leben fiel mir anfangs sehr schwer. Ich saß im "Neuem Glück" und habe nur noch geweint.
Mein Bruder kam zwei Jahre lang jeden Freitag zu uns in die Wohnung, weil er in der Nähe einen Nebenjob hatte und dann mit mir zu unserer Jugendgruppe fuhr. Unsere Mutter war freitags um diese Uhrzeit oft nicht da und so sahen Gismo und ich meinen Bruder zwei Jahre lang, jede Woche. Für einen "schwierigen" Hund wie Gismo es war, ist es etwas besonderes, wenn er jemanden mag, Er mochte meinen Nicht-Allergischen Bruder sehr.
Gismo war für mich in dieser Zeit des Umzugs eine große Hilfe. Es ist zwar eine Kleinstadt, aber trotzdem haben wir zusammen neue Wege erkundigt. Das Haus hatte an der Hauptstraße gestanden und dort war ich nicht so oft mit ihm Gassi gegangen. Wir hatten keinen bestimmten Weg, den wir immer wieder liefen, sondern ich fuhr ab und zu mit ihm ins Feld und ließ ihn dort rennen.
Aber die neue Wohnung geht nach hinten raus in eine Spielstraße, über eine Brücke an einem Fluss vorbei. Es war wie für Hundebesitzer gemacht, wie für mich und Gismo gemacht. Wir fuhren trotzdem noch ins Feld, aber wir hatten jetzt einen Weg, den wir immer gemeinsam gehen konnten. In dem fremden Glück fanden wir aneinander Halt.
Gismo im ersten Sommer im Hof. Er war sehr stolz über seinen Fund

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