Freitag, 31. März 2017

Gismos Orte #1 - Feld Wiese

Auf dieser Wiese ging ich am Anfang sehr oft mit Gismo spazieren. Es ist im Feld und ich konnte ihn immer von der Leine lassen und er rannte dann fröhlich davon.  Diese Wiese war einer meiner Lieblingsplätze. Man hat die Kleinstadt im Blick und kann hinunterblicken und hat seine Ruhe.



8. Gismos Krankheitsverlauf

Im Herbst 2015 begann Gismo zu würgen und zu keuchen, wann immer er aufstand. So als hätte er etwas im Hals, dass ihn störte.
Wir gingen zum Tierarzt, aber das Problem bei Gismo ist, dass man ihm nicht einfach den Mund öffnen und hineinschauen konnte. Bei anderen Hunden geht das, aber das ging mit dem bissigen Hund einfach nicht.
Ich hatte damals schon einen schlimmen Verdacht, aber weil ich dramatisch bin und laut meinem Nicht-Allergischen Bruder eine "Hellikopter-Mutter", ließ ich mich von meiner Tierärztin ausbremsen.
Dort gab es einige Probleme, die ich erst im Nachhinein feststellen konnte. Ein Missverständnis, dass uns allen Stress gespart hätte ist folgendes: Ich bin mir ziemlich sicher, dass ich sie fragte ihn zu sedieren, um ihn in den Hals zu schauen. Aber statt sedieren muss ich wohl unter Narkose legen gesagt haben, denn sie meinte, das würde nur in der Tierklinik gehen und das war mir zu viel Aufwand. Die Tierklinik klang so ernst und schlimm und Gismo kannte dort ja auch niemanden, also vergaß ich diese Möglichkeit schnell wieder.
Das zweite Problem war, dass ich ihr nicht so genau beschreiben konnte, was das für Geräusche waren, die er von sich gab. Er bekam Hustensaft und sein Halsband wurde ihm abgenommen. Jetzt trug er immer ein Geschirr beim Gassi gehen, das ihm nicht so am Hals zog.
Mein kleines Kerlchen spielte nicht mehr so aufgeregt, weil er den Ball nicht richtig nehmen konnte und sich immer verschluckte. Weil ich das Schlimmste befürchtete ließ ich ihn röntgen.
Es war nichts zu sehen.
Das Leben ging für mich und Gismo weiter. Ich saß viel an meinen Büchern, spielte ab und zu mit ihm und wir gingen viel Gassi. Ich kann im Nachhinein nicht sagen, ob es ihm besser ging oder wir uns beide an diesen Zustand gewöhnten. Er war fröhlich und aufgeweckt. Morgens weckte ich ihn, er würgte und verschluckte sich, blieb stehen, schüttelte sich und kam auf mich zugewackelt. Dann legte er seinen Kopf auf mein Knie und ließ sich eine Weile streicheln. Morgens war Gismo immer sehr verschmust.
Vielleicht hätte ich es ernster nehmen. Oft machte ich mir sofort Sorgen, aber ich beließ es dabei, weil ich nicht dramatisch sein wollte. Richtig bellen konnte er auch nicht mehr, es waren immer sehr hohe Töne, die aus seinem Hals kamen und er verschluckte sich dann.
Aber er war fröhlich und egal wie anstrengend es für ihn war: Wann immer ich nach Hause kam, kam er aus seinem Bettchen, schwanzwedelnd auf mich zu und wollte gestreichelt werden. Wir gewöhnten uns an das Würgen. Es wurde einfach ein Teil von ihm.



Dieses Bild enstand am See 2015, bevor er anfing zu würgen. 







Dieses Bild war von 2016. Das war Gismos letzter Sommer. Wir waren am See und er trug sein Geschirr. Meine Mutter schenkte es mir 2015 zu Weihnachten. Sie hatte es gut ausgesucht, es passte ihm und es hatte die selbe Farbe wie seine Augen. 




Samstag, 11. März 2017

7. Gismos Tierarzt-Abenteuer

Als ich das erste Mal mit Gismo beim Tierarzt war, war es sehr sehr unangenehm. Ich glaube die Freundin meiner englischen Schwester und ich gingen dorthin, weil er nicht mehr richtig kacken konnte. Ich glaube wir dachten er hätte Verstopfung. Wenn man Angst vor seinem eigenen Hund hat, ist das ganze eben etwas schwieriger.
Sein Problem war, dass sein Fell am Hintern so verklebt war von Kacke, dass er nicht mehr richtig sein Geschäft erledigen konnte. Als wäre das nicht schlimm genug, saß er da, hat geknurrt, geschnappt und gebellt. Ich weiß noch, dass ich sagte: "Ach, Kerli." Und meine sehr gestresste Tierärtzin furh mich an: "Nichts, Kerli!" :D
Es tat und tut mir immer noch sehr leid, ich wusste nicht, dass Hunde solche Probleme haben konnten und damals war es eine Unmöglichkeit, Gismo richtig anzufassen. Als wir ihn regelmäßig zum Hundefriseur brachten, war es nicht mehr so ein Problem und schließlich begannen wir ihn mit Maulkorb zu behandeln, das war unangenehm für alle beteiligten aber es ging. Wir benutzen Lappen um ihn sauber zu machen, schnitten Fell mit einer Schere weg und im Sommer setzten wir ihn in eine kleine Wanne in den Garten.

Ich ging wieder mit ihm zum Tierarzt, als Gismo nicht mehr richtig lief. Er war sehr langsam, wuselte nicht fröhlich durch die Gegend. Er schleppte sich richtig. Weil ich mir Sorgen machte, machte ich bei der Tierärztin ziemlichen Druck, dass er ganz schnell behandelt werden musste, dass es ihm ganz schlecht ging und er was am Rücken hatte.
Beim Tierarzt wäre ich am Liebsten vor Scham in Grund und Boden versunken: Mein ach-so-verletzter kleiner Hund, hüpfte ausgelassen durch die Gegend, machte Männchen, sprang an meinem Stuhl hoch und verhielt sich wie die Gesundheit in Person. Als wir ihn aufhoben schrie er auf, weil er offensichtlich Schmerzen hatte. Er bekam ein Mittel und es ging ihm besser.

Das nächste Mal, müsste 2014 gewesen sein. Der Hund leckte sich ständig die Pfote und hatte es tatsächlich geschafft, sie sich wund zu lecken. Das werde ich nie vergessen, denn ganz ehrlich, es hatte wirklich etwas Sitcom-haftes:
Er bekam eine Halskrause und musste jeden Tag so eine Salbe drauf geschmiert bekommen. Meine Mutter und ich haben da total versagt. Wir bekamen es einfach nicht hin, weil Gismo knurrte und wir hatten beide Angst vor ihm. Also ging ich jeden Tag zum Tierarzt und das lief so ab:
Krause ab. Malkorb an. In die Ohren ein Mittel, weil sie von der Krause zu warm wurden und es eine Entzündungsgesah gab. Salbe auf die Pfote. Maulkorb hinten aufmachen. Halskrause an. In die Krause greifen und ihm den Maulkorb vorne wieder abziehen.
Wir standen zu viert um dieses kleines Kerlechen herum und mussten diesen Akt jeden Tag aufs Neue einüben.
Aber das war gut, denn es ging ihm immer besser. Er begann gerne zum Tierarzt zu gehen und gewöhnte sich an die Praxis und die Leute, die dort arbeiteten. Mit den Helferinnen spielte er immer und ließ sich auch gerne von ihnen streicheln. Eine nannte ihn sogar immer "mein Schatz". Diese Woche half ihm ruhiger zu werden.


Donnerstag, 16. Februar 2017

6. Du gehörst hier her

Im Jahr 2015 zog ich von Zuhause aus in die Stadt, in der ich auch studiere. Ich hatte mich monatelang darauf gefreut und mir viele Wohnungen angesehen und viele potentielle WG-Mitglieder kennengelernt.
Eine gute Freundin und ich hätten auch ganz knapp fast eine Wohnung zusammen bekommen, was für mich "der Traum" war, denn die Lage war sehr nah an der Fußgängerzone und das ganze war scheinbar perfekt.
Als das nicht funktionierte kam ich durch meinen Nicht-Allergischen-Bruder an eine christliche WG mit noch drei Mädels. Das Zimmer war 10qm 'groß' aber sehr schön. Ich bin selbst ziemlich klein und hatte auch viele kleine Möbel, die gut ins Zimmer passten - farblich und von der Größe her. Zwei der Mädels und ich verstanden uns super, die dritte war in einem Praktikum in einer fremden Stadt und wir telefonierten bestimmt zwei Stunden, eigentlich nur zum Kennenlernen, aber wir verstanden uns sehr gut.
Der Tag des Auszugs kam nur drei Tage nach der Hochzeit meines Allergischen-Bruders. Es war Spätsommer, noch sehr warm und den letzten Tag verbrachte ich mit meinen Geschwistern an einem See hier in der Nähe. Es war sehr schön und ich dachte noch, dass es ein schöner letzter Tag ist.
Der Tag es Auszugs an sich hatte etwas unwirkliches und es ging sehr schnell, da ich eigentlich nur mit einem Schrank umziehen musste, den Rest der Möbel konnte ich übernehmen.
Für Gismo war das ganze sehr schwierig und es tat mir sehr weh ihn zurückzulassen. Meine Mutter versicherte mir, sie würde sich gut um ihn kümmern und es würde sich daran gewöhnen. Außerdem käme ich ja sowieso am Wochenende nach Hause.


Das Bild schickte mir meine Mutter per mail an meinem ersten Abend, als ich nicht Zuhause war. Ich finde er sieht sehr traurig aus. 


Der Auszug war für mich nicht nur wegen Gismo sehr schwierig, sondern auch weil ich kein Handy hatte, weil mir dieses vor der Hochzeit meines Bruders mitsamt Handtasche geklaut wurde. Ich war also wirklich komplett alleine.
Als ich am Wochenende wieder Zuhause war, räumte ich mein Zimmer auf und auch um, weil ich ja keinen Kleiderschrank mehr hatte. Dann setzte ich mich an meinen Schreibtisch und begann Teil2 meines Romans weiterzuschreiben. 
Wer ein Buch schreibt oder geschrieben hat, weiß, dass es manche Stellen gibt, auf die man sich total freut und andere, die man irgendwie "wegschreiben" muss, um überhaupt dorthin zu kommen. Ich war am "wegschreiben", freute mich aber schon riesig auf eine thematisch neue Szene. Während ich am Schreibtisch saß, entschied ich, dass ich nun am Wochenende immer schreiben würde. Und dann kam der Gedanke, der alles veränderte:
Was ist, wenn es immer so sein könnte?
Was war, wenn ich nicht zurück zur Uni ging und dieses Semester damit verbrachte meinen ersten Roman wirklich verlagsfertig zu machen und ihn am Ende abschickte? Warum machte ich überhaupt den Master? Wieso wurde alles dem Schreiben vorgezogen? Konnte ich nicht einmal das Schreiben zur Priorität machen?
Ich rief meine Schwester an und stand zu 100 Prozent hinter mir. Sie sagte mir aber deutlich, dass ich diese Entscheidung bald fällen musste. Ich sagte ihr, ich hatte mich schon entschieden.
Es war ein ziemliches Chaos, alles wieder umzuschmeißen, aus der WG auszuziehen, in der ich tatsächlich nur eine Nacht geschlafen hatte, mich mit der Uni auseinanderzusetzen...aber es war die beste und schlimmste Entscheidung, die ich je getroffen habe.
An diesem Tag wollte ich meine Figuren wirklich in den Arm nehmen und festhalten, ich hatte das Gefühl sie sind real und bei mir. Dieser September 2015 war eine der schönsten Zeiten in meinem Leben. Die Selbstzweifel und die Motivationslosigkeit, die beim Schreiben ganz normal ist, war noch nicht da. Ich verbrachte viel Zeit mit Gismo, dem es zu diesem Zeitpunkt noch recht gut ging und fühlte mich so, als würde ich wissen, wo es lang geht. 
Als ich mit meiner Nachbarin im Garten saß und es ihr erklärte, sagte sie: "Das ist schon richtig, Lisa. Du gehörst hier her."
Im Oktober verlor ich meinen Job, weil ich nicht mehr gebraucht wurde. Das war nicht mehr so dramatisch, da ich ja wieder Zuhause wohnte, aber ich weiß nicht, was ich gemacht hätte, wenn ich in der WG geblieben wäre.
Den Roman schickte ich am 15.03.2016 ab. Er wurde nicht veröffentlicht, aber das ist in Ordnung. Wer noch keine Absage bekommen hat, kann das nicht verstehen, aber es nimmt einem jegliche Naivität und das ist auch gut so. 
Im Oktober kam Lotte dazu. Meine Mutter zeigte mir den Ausdruck von Facebook und wollte wissen, was ich davon hielt. Als sie anfing mit "Wenn du ausziehst und ich dann zwei Hunde hier habe..." und da teilte ich ihr meine Entscheidung mit, dass ich Gismo auf jeden Fall mitnehmen würde, wenn ich auszog. Eine Trennung kam für mich nicht mehr in Frage. Ab diesem Moment war er tatsächlich mein Hund.




Freitag, 10. Februar 2017

Spitznamen...

Ich bin der festen Überzeugung, wer seinen Hunden keine Spitznamen gibt, hat da was falsch verstanden. Gismo ist ein 0815 Name für Shitzus und es haben sich schnell folgende Namen für ihn herausgestellt:


  • Baby. Er war mein Baby, er ist mein Baby, er wird immer mein Baby bleiben und "mein Baby gehört zu mir!"
  • Schatz. Das war einfach kurz und geläufig und praktisch. Und er war einfach ein Schatz.
  • Kerli. Dieser Name ging nie ohne eine Erklärung. Gismo wurde von mir Kerlchen oder eben Kerli gerufen. Die Idee kam von Findet Nemo: Dory, ich bin ein kleines Kerlchen...das ist ein großes Kerlchen. Und wenn Gismo irgendwas war, dann ein kleines Kerlchen. 
  • Streuner. Weil er manchmal so unordentlich aussah.
  • Stolchi. Aus dem selben Grund wie Streuner.
  • Bubi. Meine Mutter nannte ihn oft so. Das war ihr Name für ihn. 
  • Stinki. Manchmal hat er gestunken, so wie Tiere das einfach tun. 

Was immer ging waren Worte, die klein-sein ausdrückten:
  • Keks.
  • Krümel.
  • Würmchen.
  • Wurmi
  • Kleiner Mann
  • Baby Boy

Gismos Freunde #5 - Lotte


Lotte kam im Oktober 2015 zu uns. Sie ist wie ich Diabetikerin und meine Mutter sah sie in einem Hund-braucht-Hilfe-Post auf Facebook. Sie sagte der Hund ließ sie nicht mehr los. Ich war von Anfang an dagegen, aber als ich sagte, dass ich Gismo bei meinem Auszug mitnehmen würde, war es für sie entschieden.
Gismo konnte Lotte nicht ausstehen. Aber ich weiß nicht, ob das nicht vielleicht auch an seinem Alter und seinem Kranksein lag. Er knurrte sie oft an und wir ließen die beiden nie lange zusammen alleine, weil wir uns nicht sicher waren, ob sie sich nicht vielleicht fetzen würden.
Aber da Gismo einfach der dominierende Hund im Haus war, hat Lotte sich eigentlich nie gewehrt. Die beiden wurden nie wirklich richtig Freunde, aber ich glaube auf seine Gismo'sche Weise hatte er Lotte sehr gerne. Wenn sie früher dazu gekommen wäre, als es ihm noch gut ging wäre es vielleicht anders geworden. Gismos Krankheit setzte zur selben Zeit ein, als wir Lotte zu uns holten.
Lotte ist ein aufgeweckter und lauter Hund und zwei Jahre jünger als Gismo. Ich glaube diese zwei Jahre machten einen Unterschied, weil Gismo eben nicht mehr so aufgeweckt war. Es sei denn wir spielten alleine in meinem Zimmer, aber mit anderen Hunden zu toben (außer seinem Schäferhund-Freund!) war für ihn nicht mehr unterhaltsam.
Einmal saßen wir beim Essen und die beiden Hunden beschnupperten sich schwanzwedelnd unterm Tisch. Aber Gismo ging danach zu seinem alten Pessimismus zurück.
An Silvester waren die beiden jedoch durch ihre gemeinsame Angst zusammengeschweift und dort lief Lotte (die wegen ihres Diabetes auch schlecht sieht) mal wieder gegen ihn, aber anstatt sie anzuknurren freute er sich sie zu sehen. Dort haben sie sich aneinander festgehalten.


Ein bisschen Nähe war zwischen den beiden auch möglich. Sie zusammen zu sehen war immer sehr schön, weil Gismo wie eine kleine Version von Lotte aussah mit den Farben und Flecken, die sich so ähnlich sind bei den beiden.



Gismos Freunde #4 - Milo


Milo ist der Hund meiner Nachbarin und ihren Kindern. Er ist ein treudoofer, liebenswürdiger Kerl und 9 Jahre jünger als Gismo. Als wir im Februar 2014 hier einzogen, konnte Gismo Milo nicht ausstehen. Weil Milo dem Wort "treudoof" aber zu 200% gerecht wird, gab er nie auf.
Gismo hat ihn immer angeknurrt und auch nach ihm geschnappt, wenn der junge schwanzwedelnd Hund auf ihn zu kam und mit ihm spielen wollte...ich weiß den genauen Augenblick leider nicht mehr, aber irgendwann "war der Knoten geplatzt", wie meine Mutter immer sagt und Gismo spielte mit ihm.
Wenn ich sage spielen, meine ich dominieren.
Es war so schön, weil der kleine Gismo sich auf den großen Milo stürzte und an ihm herum juckelte. Milo schien das nicht im geringsten zu stören oder auch nur zu bemerken. Während Gismo in seine Jugendzeit zurück fiel, spielerisch knurrte, auf dem größeren Hund herum tobte, an seinem Ohr knabberte und ihn ableckte, biss Milo gedankenverloren an einem Spielzeug herum.
Das waren schöne Sommertage im Garten, in denen wir uns mit unserer Nachbarin anfreundeten, Bücher lasen, einander besser kennen lernten und die Hunde ihren Spaß hatten.
Nun im Nachhinein scheint jeder Gismo-Moment mein Lieblingsmoment gewesen zu sein, aber diese Augenblicke im Garten waren besonders schön. Es ging ihm einfach so gut und wenn es Gismo gut ging, ging es mir gut.
Milo war ihm ein treuer und fröhlicher Freund. Leider hatte Gismo in seinem letzten halben Jahr keine Lust mehr auf den Beagle-Mischling und hat ihn wieder angeknurrt wie früher. Vielleicht weil er krank war, vielleicht auch weil er alt war. Aber Milo (den ich sehr liebevoll das "Opfer" des Hauses nenne, weil wirklich jeder Mitbewohner dieses Hauses auf diesem Hund herum trampelt, selbst unsere Miezi jagt ihn manchmal davon) hat seinen kleinen Freund nie aufgegeben, ihn immer wieder aufs Neue begrüßt und versucht die alte Freundschaft zurückzuholen. Hätte Gismo es bis zum Frühling oder Sommer geschafft, wäre es ihm sicherlich auch gelungen.
Meine Nachbarin war mir in dem ganzen eine sehr große Stütze und sie hat mir erlaubt Milo als Pflegehund zu behandeln und ab und zu mit ihm rauszugehen. Bisher fehlte mir dazu die Kraft und die Vorstellung mit Milo Gismos alte Wege zu gehen, bricht mir das Herz, aber ich habe die Hoffnung eines Tages dazu in der Lage zu sein.


Gismo ist mit wilden Blick Feuer und Flamme für das Spiel, Milo kaut wie gelangweilt an einem Spielzeug.

Gismos Freunde #3 - Schäferhund


Dass unsere Wohnung ein Geschenk des Himmels war, habe ich schon erläutert. Aber die Lage ist unglaublich, wirklich.
Zwei Minuten entfernt gibt es eine große Wiese, mit Schreber-Gärten, einem kleinen Bach, der aber oft nur eine ausgetrocknete Kuhle war. Ich ging gerne mit Gismo dorthin, weil ich so nicht mit ihm extra ins Feld fahren und ihn vorher ins Auto packen musste. Er tobte sich dort gerne aus und ich konnte beten, es war perfekt.
Bis auf den großen Schäferhund, der bei den Schrebergärten abhing zumindest...
Ich ging eines Tages wahrscheinlich im Sommer 2014 mit Gismo spazieren und dachte mir nichts. Als ich mich umdrehte stand dort dieser große Schäferhund. Dieses Tier hatte sich angeschlichen, als könnte es schweben. Weder Gismo noch ich haben etwas mitbekommen.
Da ich bis heute den Namen dieses Hundes nicht kenne, sagte ich nur: "Hallo großer Hund...du gehst jetzt einfach wieder nach Hause, ja? Geh..."
Ich gab mir große Mühe meine Stimme ruhig zu lassen, habe mir aus Angst aber bald an Ort und Stelle in die Hosen gemacht. Der große Hund war ganz ruhig und schien meine Gestiken auch zu verstehen und wollte sich umdrehen. Mit langsamen Bewegungen leinte ich Gismo wieder an und redete immer weiter:
"Wir gehen jetzt auch nach Hause. Ganz ruhig. Das ist Gismo, der ist ganz langweilig...Gismo. Gismo!"
Der kleine Schatz fing fröhlich an zu bellen und machte meinen Plan unauffällig zu verschwinden sofort zu Nichte. Er liebte diesen Schäferhund von Anfang an. Der Schäferhund verstand meine Absichten und ließ sich zu den Gärten schicken.
Den kleinen Shitzu musste ich allerdings nach Hause zwingen. Ich musste sehr über die Geschichte lachen, als ich sie Zuhause erzählte und entschied dann auch, dass ich es versuchen würde mit den beiden Hunden.
Ich ging bald darauf wieder zur Wiese und ließ Gismo von der Leine. Er stürmte auf den großen Hund zu, der mit einer solchen Vorsicht mit dem Kleinen spielte, dass es mir jedes Mal warm ums Herz wurde. Die beiden jagten sich und Gismo wurde innerhalb von Minuten wieder jung. Ich ging mit ihm oft auf die Wiese und wenn der Schäferhund nicht da war, war er sehr traurig und hielt Ausschau nach seinem großen Freund.
Wenn diese beiden unterschiedlichen Freunde zusammen kamen, freuten sie sich einander zu sehen und spielten ausgelassen miteinander. Es war eines der schönsten Erfahrungen, die ich mit Gismo machen durfte und ich bin so dankbar für diese Augenblicke in denen er tobte. Ich kann nur hoffen, dass er dort wo er jetzt ist, auch so viel Spaß hat.

Dienstag, 7. Februar 2017

Gismos Freunde #2 - Knut

Als wir mit Gismo noch im Haus wohnten hatten unsere Nachbarn einen kleinen wuschligen Wirbelwind namens Knut.
Die beiden Hunde haben viel Zeit am gemeinsam Zaun verbracht und dort miteinander kommuniziert und gespielt. Einmal war Knut auch bei uns drüben und die beiden haben lebhaft miteinander gespielt, es war so als würde ein großer weißer Fellknäul durch den Garten wirbeln.
Als wir dann umgezogen sind war die Freundschaft zwischen den beiden vorbei und ich habe kaum noch Erinnerungen an Knut. Ich weiß auch nicht mehr, ob er noch lebt, aber ich gehe davon aus, weil er jünger als Gismo war.

Gismos Freunde #1 - Miezi




Als ich schrieb, dass Gismo nach Yorks Tod das einzige männliche Wesen im Haus war, stimmte das nicht ganz. Vor Gismo bekamen wir einen Kater, namens Merlin.
Aber der Name Merlin wurde sehr schnell abgeschafft und der Kater quasi zur Katze gemacht, da wir sie liebevoll in "Miezi" umtauften. Das kann man gut quietschen und es macht Spaß zu rufen. Und jetzt sind bald 10 Jahre vergangen und das Tier heißt nun mal so.
Ich war 14, als meine Mutter mit einer Von-Kunde-zu-Kunde-Anzeige aus einem Supermarkt nach Hause kam. Sie war ganz aufgeregt und sagte: "Das gönne ich mir jetzt!" Ich hatte den Zettel nur überflogen auf dem Rüde, 6 Monate stand und verstand gar nicht warum es ging, bis sie erklärte: "Ich hole mir eine Katze!"
Ich war damals in meiner Twilight-Phase (Bücher, nicht die Filme. Für die Filme habe ich nie Begeisterung aufbringen können) und der kleine Merlin wäre beinahe ein Carlisle geworden, weil ich Carlisle Cullen so toll fand (das tue ich heute noch!). Mein Nicht-Allergischer-Bruder war sehr von der Idee angetan das Tier "Katze" zu nennen. Er versuchte es anfangs auch, aber er wurde von meinem Gekreische (Mieeeeeziiiii) überboten.
So kam Miezi also zu uns. Mein Allergischer-Bruder war zu der Zeit in einem FSJ in Japan und hätte es bestimmt unterbunden, wenn er da gewesen wäre.
Miezi hatte manchmal mit York geschmust und sich an ihn gerieben und er leckte ihr das Gesicht in einer unglaublich klischeehaften und niedlichen Weise ab.
Bei Gismo ging das nicht er wehrte ihre Annäherungsversuche mit einem Knurren ab, da er sie als Angriffe wertete. Also machte ich es mir oft zur Gewohnheit die arme Katze, wenn sie von draußen wieder nach Hause kam zu nehmen, vor Gismo zu setzen und zu sagen: "Sag der Miezi Hallo!"
Das tat er auch. Er freute sich sie zu sehen, schnüffelte ihr Gesicht und vor allem die Ohren ab und leckte sie auch manchmal ab.
Auf seine Weise hatte Gismo Miezi lieb. Wenn sie abends im Zimmer war, wenn er schlafen wollte, knurrte er wann immer sie sich rührte, aber ich glaube die beiden mochten sich schon.
Miezi hat jetzt schon zwei Hunde überlebt und wird dieses Jahr 11.


5. Neues Heim, Neues Glück

2014 heiratete mein Nicht-Allergischer Bruder seine Freundin von sechs oder sieben Jahren. Meine Schwägerin war also von Anfang an auch in Gismos Leben dabei.
Als die beiden heirateten war mein ältester Bruder schon ausgezogen und ich noch nicht bereit auszuziehen. Das Haus konnte meine Mutter alleine nicht stemmen und es war irgendwie auch lächerlich alleine mit so vielen leeren Zimmern zu sein.
Wir überlegten aus unserer Kleinstadt auszuziehen in eine Stadt, in der ich zur Gemeinde ging (und auch noch gehe). Dort arbeite ich in der  Jugendarbeit und Kinderarbeit mit. Das ist mein zweites Zuhause, ich habe dort Jesus kennen gelernt, dort haben mittlerweile beide meiner Brüder geheiratet und da sind meine Freunde und Glaubensgeschwister.
Dorthin zu ziehen ergab also Sinn. Mit einer Zugverbindung hätte ich auch gut zur Uni kommen können. Und ich müsste nicht immer 30 Minuten mit dem Auto fahren. Zu diesem Zeitpunkt hatte ich übrigens gar kein Auto und bin immer mit dem Bus und Zug gependelt.
Eines Abends im Oktober 2013 gingen Gismo und ich durch diese Kleinstadt spazieren. Wir gingen weiter als sonst und kamen in eine kleine Gasse mit einem neuen Restaurant was ein wunderschönes, warmes Licht ausstrahlte.
Wir bogen um die Ecke und ich fand mich plötzlich vor einem Brautkleid-Laden wieder. Es war so harmonisch, es war ein relativ warmer Abend, Gismo war bei mir und dieses schöne Licht durchflutete die Straße. Und dann war es mir klar: Ich liebe diese Kleinstadt. Ich sagte es zu Gismo und für mich war es entschieden: Wir sollten hier bleiben.
Zwei Tage später hatten wir eine Wohnung, wie für uns gemacht:

  • Mein Zimmer liegt außerhalb, so habe ich etwas Abstand
  • Der Garten ist nicht so grünflächig wie in dem Haus, aber groß genug für einen kleinen Hund. 
  • Die Küche ist groß
  • Meine Mutter konnte ihren Feuerofen anschließen
  • Tiere sind erlaubt
  • Es waren die selben netten Vermieter, wie vom Haus
Gott hatte uns diese Wohnung geschenkt und sie war für uns alle besser als das Haus. Ein halbes Jahr später wurde auch mein Gebet für ein Auto erhört, für 500€ bekam ich einen einwandfreien Opel Corsa, das zuverlässigste Auto, das meine Familie je gesehen hat.
Leider war der Umzug für mich am Anfang nicht so positiv. Mir fehlte mein Haus und mein Nicht-Allergischer Bruder. Er ist zwei Jahre älter als ich und wir sind gut miteinander befreundet. Wir haben den selben Humor, haben zur gleichen Zeit zu Jesus gefunden und als angehender Pastor (jetzt ist er fertig) war er für mich immer eine große Stütze. Wir hatten im Haus viel Spaß und ich weiß noch, dass mein ältester Bruder (mit den Allergien) die Angewohnheit hatte in die Zimmer von uns "Kleinen" zu kommen, einen vollkommen willkürlichen Satz sagte und dann wieder in sein Zimmer und zurück an seine Arbeit ging.
Wir "Kleinen" haben das auch gemacht, aber (vor allen Dingen ich) sagten mehr als einen Satz und  blieben lange beim anderen, ohne zurück zur Arbeit zu gehen. Die Zimmertür meines Bruders war immer offen und mehr als oft zeigte er mir Videos und wir beide lenkten uns von unseren Arbeiten ab. Aber das war ich nun mal so gewohnt und ohne meinen Bruder zu leben fiel mir anfangs sehr schwer. Ich saß im "Neuem Glück" und habe nur noch geweint. 
Mein Bruder kam zwei Jahre lang jeden Freitag zu uns in die Wohnung, weil er in der Nähe einen Nebenjob hatte und dann mit mir zu unserer Jugendgruppe fuhr. Unsere Mutter war freitags um diese Uhrzeit oft nicht da und so sahen Gismo und ich meinen Bruder zwei Jahre lang, jede Woche. Für einen "schwierigen" Hund wie Gismo es war, ist es etwas besonderes, wenn er jemanden mag, Er mochte meinen Nicht-Allergischen Bruder sehr. 
Gismo war für mich in dieser Zeit des Umzugs eine große Hilfe. Es ist zwar eine Kleinstadt, aber trotzdem haben wir zusammen neue Wege erkundigt. Das Haus hatte an der Hauptstraße gestanden und dort war ich nicht so oft mit ihm Gassi gegangen. Wir hatten keinen bestimmten Weg, den wir immer wieder liefen, sondern ich fuhr ab und zu mit ihm ins Feld und ließ ihn dort rennen.
Aber die neue Wohnung geht nach hinten raus in eine Spielstraße, über eine Brücke an einem Fluss vorbei. Es war wie für Hundebesitzer gemacht, wie für mich und Gismo gemacht. Wir fuhren trotzdem noch ins Feld, aber wir hatten jetzt einen Weg, den wir immer gemeinsam gehen konnten. In dem fremden Glück fanden wir aneinander Halt.


Gismo im ersten Sommer im Hof. Er war sehr stolz über seinen Fund


Sonntag, 5. Februar 2017

4. Life Goes On

Das Leben ging weiter. Das ergab für mich keinen Sinn. Ich weiß noch, wie wütend es mich machte, dass im Radio weiter fröhlich gesprochen wurde. Mehr als alles andere, wollte ich, dass die Welt einfach mal stehen blieb und ihr bewusst wurde, dass sie mit York so einen großartigen Schatz verloren hatte.
Das ist nämlich das Problem mit Trauer, deine eigene persönliche Welt bleibt stehen, aber der Rest der Welt geht weiter.
Ich weiß nicht mehr genau, wie es mit mir und Gismo weiterging, aber ich weiß, dass er verspielt war. Wenn man York einen Ball zuwarf, hob er aller höchstens Mal den Kopf. Aber Gismo war leidenschaftlich verspielt. Er fand es großartig einen Ball oder ein anderes Spielzeug zu haben und damit schwanzwedelnd vor uns herumzulaufen. Der ganze Sinn des Spiels war, dass er ein Spielzeug hatte und wir nicht. Das fand er großartig.
Er begann auch oben in meinem Zimmer zu schlafen und sich überhaupt im Haus wohlzufühlen, da er nun das einzige männliche Tier im Haus war.


Meine Mama, mein Nicht-Allergischer Bruder und ich räumen oft und gerne Zimmer und Wohnungen um. Es war im Haus nichts ungewöhnliches in ein Zimmer des Chaos zu treten in dem Möbel kreuz und quer standen, Bilder von der Wand genommen worden waren, Schränke ausgeräumt wurden...dann kam der Satz: "Ich räume um" und es wurden keine Fragen mehr gestellt. Wenn man so oft umräumt, vergisst man manchmal welche Plätze Tiere hatten, aber dieses Bild frischte alte Erinnerungen wieder auf:


Ich kann nicht mehr genau sagen, wann ich damit anfing, aber ich begann mit Gismo zu "üben". Ab und zu, wenn ich mit ihm spielte, tätschelte ich seinen Kopf. Nur ein bisschen und nur ganz kurz. Manchmal riskierte ich auch ein Knurren, aber ich zog die Hand immer rechtzeitig zurück. Man denkt es nicht auf dem ersten Blick, aber der Biss von so einem kleinem Hund kann echt weh tun. Irgendwann (aber das war erst nach drei Jahren mit ihm) nahm ich kaputte Socken, zog sie mir auf die Hand und ärgerte ihn damit in dem ich an seinem Mund herum schnappte. Das fand er großartig und ich musste oft rufen: "Au! Hand!" und ihm zeigen, dass meine Hand unter der Socke versteckt war, er knabberte dann ganz spielerisch, aber nicht so das es weh tat.
Das haben meine anderen Familienmitglieder leider nicht mehr so ganz mitbekommen, weil sie teilweise schon ausgezogen waren. Es war wirklich schwer ihnen zu vermitteln, dass Gismo wirklich ein braver Junge war. Vertrauenswürdig war er keineswegs, aber ich hatte ihm beigebracht mir zu vertrauen. Ich konnte ihn sogar jetzt küssen. Nicht auf die Schnauze oder so, aber auf den Kopf. Ich sagte dann bestimmt: "Kuss!" und drückte ihn einen Kuss auf den Kopf. Er schüttelte sich dann immer und ich lachte. Gismo brachte mich oft zum Lachen und auch wenn Hunde nicht lachen können, möchte ich doch glauben, dass ich ihn ab und zu auch zum "Lachen" bringen konnte.


3. Ein Ende kann ein Anfang sein?

Am 21.12.2009 war es schließlich so weit. York wurde zum Tierarzt gebracht und wurde eingeschläfert. Es war schrecklich, ich war 16 und dieser Dackel hatte meine Familie noch gekannt, als sie komplett gewesen war, vor der Trennung meiner Eltern, dem Auszug meiner Schwester...Er hatte auch die Versöhnung zwischen meiner Mutter und mir mitbekommen, meine Bekehrung zu Jesus Christus.
Dieser Hund hatte mich in dem Alter von 8 bis 16 begleitet und ich liebte ihn über alles.
Ihn einzuschläfern war eines der schlimmsten Erfahrungen meines Lebens. Nicht nur der Akt an sich, sondern die Tage vorher. Zu wissen, dass man ein Wesen, das man liebt verlieren wird ist so schrecklich. Die Uhr schreitet vorwärts und man möchte die Zeit anhalten, aber es geht nicht. Man versucht die letzten Tage zu genießen und das Beste daraus zu machen, aber das ist so schwierig. Ich habe wirklich tagelang durchgeweint und ich weiß, dass ich meiner Mutter sagte: "Ich überlebe das nicht!" und sie ruhig sagte: "Du überlebst das."
Als der Termin kam, kam Gismo zu mir und ich sagte zu ihm: "Ich wünschte du wärst es, den wir einschläfern."
Wieder war es meine Noch-Nicht-Schwägerin, die mich völlig erschrocken zurechtwies, aber in diesem Augenblick fühlte ich mich so. (Gismo weiß natürlich, dass ich das heute niemals denken würde, trotzdem tut es mir leid. Es tat mir damals schon leid und ich entschuldigte mich bei ihm, ehe wir gingen.)
Mein (nicht allergischer) Bruder, meine Noch-Nicht-Schwägerin, meine Mama und ich begleiteten York auf seinem letzten Weg. Wir weinten alle bitterlich, außer mein Bruder, der meinte einer müsste ja stark sein. Es war so unreal für mich, weil ich seinen Leichnahm doch dort hatte liegen sehen. Er war also nicht weg und war es doch.
York war ein sehr unkomplizierter und sehr treudoofer Hund. Er hatte niemals bei einem Tierarzt einen Mucks von sich gegeben, aber an diesem letzten Tag, bei dieser letzten Spritze schrie er auf. Er wusste, was mit ihm geschah.
Meine Brüder, ihre Freundinnen und ich fuhren für ein paar Tage nach Heidelberg, weil ich nicht in diesem Haus sein konnte. Ich vermisste York so sehr.
Gismo blieb in dieser Zeit Zuhause bei meiner Mutter (jetzt wo er nicht mehr hier ist, frage ich mich ständig, wie das für ihn gewesen sein musste. Wir alle gingen mit dem Hund weg und kamen ohne Hund zurück und dann waren wir weg. Es ist so lächerlich, denn gäbe es so etwas wie Zeitreisen, würde ich zu diesem leeren Haus zurückgehen, wo meine Mutter und er waren und würde diese Tage mit ihm verbringen. Ich wusste es damals nicht, aber das war mein Anfang mit Gismo und wenn ich es könnte würde ich alles tun, um dort hin zurückzugehen und es als Anfang bewusst zu nehmen.)
Weihnachten 2009 war für mich ohne York ungenießbar. Gismo war aber der Höhepunkt, ich weiß noch wie alle mit ihm spielten und lachten und ihn auch ein bisschen ärgerten. Ich konnte nur traurig zusehen. Und das ist das Ironischte an der ganzen Geschichte, warum seht ihr dann hier ( ).



Gismo "sonnte" sich schon von Anfang an gerne im Garten und das blieb bis zum Schluss auch so. Er war ein vollkommenes Sommer-Tier und liebte die Sonne und draußen zu sein. 



Anfangs hatte er ein Metallhalsband, weil er so sehr zog und nicht hören wollte. Das änderte sich aber und er bekam ein schönes, grünes Stoffhalsbald. Bälle jeder Art waren seine Leidenschaft.




2. Das war also des Pudels Kern!


Soll ich mit dir das Zimmer teilen,
Pudel, so laß das Heulen,
So laß das Bellen!
Solch einen störenden Gesellen
Mag ich nicht in der Nähe leiden.
Einer von uns beiden
Muß die Zelle meiden.
Ungern heb ich das Gastrecht auf,
Die Tür ist offen, hast freien Lauf.
Aber was muß ich sehen!
Kann das natürlich geschehen?
Ist es Schatten? ist's Wirklichkeit?
Wie wird mein Pudel lang und breit!
Er hebt sich mit Gewalt,
Das ist nicht eines Hundes Gestalt!
Welch ein Gespenst bracht ich ins Haus!
(Faust, der Tragödie erster Teil. VIII)


Während Faust sich mit seinem Pudel tatsächlich den Teufel ins Haus geholt hatte, waren wir was Gismo anging nicht ganz so schlecht dran. Aber nach der Liebe auf dem ersten Blick (http://gismos-geschichte.blogspot.de/2017/02/was-ist-wenn-es-nicht-liebe-auf-den.html) fielen meine Familienmitglieder und ich schnell von der Wolke 7 herunter.
Wir waren von York gewohnt mit Hunden machen zu können, was wir wollten. Ihn zu streicheln, zu kuscheln und solche Dinge eben...(ich habe ihn als 8jährige an seinem Schwanz durch die Wohnung gezogen, darauf bin ich nicht stolz, aber man konnte eben alles mit ihm machen).
Gismo war kein normaler Hund. Der Teufel ist etwas übertrieben, aber er wurde schnell biestig. Ich konnte ihn nicht streicheln, kuscheln oder andere Dinge mit ihm machen. Um ehrlich zu sein hatte ich etwas Angst vor dem knurrenden Fellknäuel.
Er gewann schnell die Oberhand und als er sich mit meinem geliebten Dackel fetzte und dessen Nase blutete, zerplatzen all meine Träume von den beiden Hunden und dem harmonischen Übergang von York zu Gismo.
Einmal streichelte ich ihn und war so zufrieden mit meinem Fortschritt, er lag auf der Seite und ich streichelte seinen Bauch. Er musste leise geknurrt haben, aber ich habe es nicht gehört, weil ich damit beschäftigt war in einer Babystimme mit ihm zu sprechen. Da ich auf seine Warnung nicht reagierte, drehte das Tier sich um und biss mir in die Hand. Ich bin vollkommen ausgerastet und habe ihn angeschrien und geflucht und einen Plastiktisch kaputt geschlagen, der mich jahrelang an dieses Ereignis erinnern sollte, als er im Keller stand.
In den nächsten sieben Jahren habe ich Gismos Bauch nicht gestreichelt, auch wenn er es wollte. Ich bereue das nicht unbedingt, aber ich vermisse ihn so sehr, ich würde per Zeitreise an IRGEND einen Punkt in seiner Geschichte zurückgehen, damit ich ihn wieder haben kann. Bissig oder nicht. 
Ich weiß noch, dass meine Mutter und ich darüber redeten, ob wir Gismo zurückgeben sollten. Aber wir kamen schnell zu dem Entschluss, dass niemand diesen bissigen, "bösen" Hund nehmen würde. Und ihn einschläfern?
Ich habe es ehrlich in Betracht gezogen und ich muss über meine damalige Naivität lächeln, denn Gismos Geschichte wird sich ändern, das ganze brauchte eben seine Zeit und das war mir in diesem Moment nicht bewusst. Meine (damals noch nicht! ;) ) Schwägerin war ganz erschrocken über meinen Ausspruch den kleinen Hund vielleicht einzuschläfern...ich weiß, dass sie mich auf den Boden der Tatsachen zurück holte, weil sie sagte: "Ich könnte das nicht, ich könnte das gar nicht mit meinem Gewissen vereinbaren."
Also sagte ich meiner Mutter, ganz ehrlich, wenn man ein Kind adoptiert, gibt man es ja auch nicht einfach zurück, wenn es nicht klappt. Man investiert sich. 
Meine Schwester aus England und ihrer damalige Freundin kamen oft zu Besuch und stürzten sich auf das Projekt Gismo. Es ist jetzt 7 Jahre her, dass ich Gismos Geschichte aufschreibe und ich habe viele Gedächtnislücken. Wir alle wissen, dass Erinnerungen nicht zuverlässig und meistens auch ziemlich subjektiv sind, aber so habe ich es eben in Erinnerung....
Also es gab einen Hundetrainer und auch eine Kastration und es wurde viel für Gismo getan, damit er eben nicht anfing wie ein Monster zu knurren oder nach uns zu schnappen.
Wir gingen mit ihm auch das erste Mal zum Hundefriseur, der arme Hund war nämlich völlig verfilzt und hatte ständig Fell im Gesicht hängen. Die Hundefriseurin sagte uns, "mit ihm ist auf jeden Fall etwas gemacht worden", da er sich so sehr sträubte und seinen Kopf um sich schlug, um sich gegen sie zu wehren. Sie meinte normalerweise würden Hunde bemerken, dass ihnen nichts geschehen würde. Wir hatten diese Vermutung schon, weil Gismo die Angewohnheit hatte sich zu ducken und zusammenzuzucken. Er sah danach aus wie ein ganz neuer Hund. Und über die nächsten sieben Jahre gingen wir oft in diesen Friseurladen und Gismo sah immer aus, wie ein neuer Hund.


Im Nachhinein fällt mir auf, dass viele Leute am Anfang an Gismos Anfängen beteiligt waren. Meine Schwester aus England und meine Mutter haben viel Arbeit geleistet. Ohne meine Mutter hätte ich Gismo nicht bekommen. Er war nicht das was ich mir vorgestellt habe, er war nicht im geringsten das was ich mir gewünscht hatte.
Er war viel mehr.


1. Was ist wenn es nicht Liebe auf den ersten Blick ist?


Der Grund warum Gismo überhaupt in unser Leben kam, war weil es mit unserem Dackel, York, zu Ende ging. Ich hatte also im Alter von 16 Jahren den plötzlichen Einfall, wir könnten uns einen zweiten Hund kaufen, damit mir der Abschied von York nicht ganz so schwer fallen würde.



Das ist York. Unser übergewichtige Dackel :)


Damals waren wir zu viert, meine älteren Brüder, meine Mutter und ich. Wir lebten in einem schönen großen Haus mit großen Garten, wo der dicke Dackel sich auch wohl fühlte. Meine Mutter war schon damals sehr spontan und fand die Idee eines zweiten Hundes toll, da sie wusste, wie sehr ich an York hing (das tat ich auch, wirklich. Aber was ich gerade wegen Gismos Tod erleide ist 10 Mal schlimmer, als mit York damals).
Obwohl mein ältester Bruder eine Allergie gegen Haustiere hatte, wurden wir schnell über Gismo informiert. Die Arbeitskollegin meiner Mutter hatte da so einen Shitzu und obwohl sie eigentlich eine Katzen-Person war hatte sie nun diesen Hund und würde ihn abgeben.
Ich war überrascht, weil es relativ schnell ging. Mein (nicht-allergischer :D) Bruder, meine Mutter und ich fuhren also zu der Kollegin um den potentiellen Hund kennenzulernen.
Ich weiß noch, dass ich zu meinem Bruder im Auto sagte: "Was ist wenn es nicht Liebe auf den ersten Blick ist?"
Seine Antwort weiß ich nicht mehr, aber ich weiß genau, als dieses verwuschelte, struppige Tier auf uns zugesprungen kam, sagte ich: "Es IST Liebe auf den ersten Blick!"


Dieser Blog....

ist für mich und meine Art mich von meinem geliebten Shitzu Gismo zu verabschieden, der vor drei Tagen von uns gehen musste. Ich durfte fast 8 Jahre mit dem Kleinen verbringen und habe viel mit ihm erlebt. Weil ich es nicht alles in mich hinein fressen kann und meine Familie und Freunde das Thema bald satt haben werden, habe ich überlegt alles aufzuschreiben. Ich hoffe es gibt Tierliebhaber, die meine und Gismos Geschichte interessiert und ich hoffe ich weiß zum Schluss, wie ich diesen Tod verkraften kann und dass manche von euch etwas damit anfangen können.

- Liesel